Grundschulen in Garango.


Grundschule in Tangaré.

In unserem Partnergebiet gibt es zur Zeit (2006) 58 Grundschulen (ohne Beguédo, 1982: 11 Schulen mit Beguédo)
Der Bau der Schulen und ihrer Nebengebäude ist eigentlich eine Aufgabe des Staates. Die Mittel dafür sind jedoch sehr begrenzt, daher sind die Gemeinden aufgerufen Schulen in Eigenregie zu errichten. Der Staat stellt in jedem Fall die Lehrer. Der Unterhalt der Schulen obliegt aber den Gemeinden. Dafür dient das Schulgeld von 2500 F CFA für das 1.Jahr, 1000 F CFA für jedes folgende.
In der traditionellen Sozialstruktur sind die Männer verantwortlich für die Ausbildung der Kinder und damit auch für das Schulgeld.  Kinder deren Vater gestorben ist haben daher nur geringe Chancen auf einen Schulbesuch. Hier hilft das Ladenburger Patenschaftsprogramm.

Bei Neubau einer Schule wird zuerst ein Schulgebäude mit 3 Klassenzimmern errichtet. Daneben sind seit einigen Jahren Schulküche und Latrinen Vorschrift. Später, oft viele Jahre später, wird die Schule durch einen zweiten 3-klassigen Bau zur Vollschule "normalisiert".  Der Unterricht ist daher in zwei 3 Jahresblöcke gegliedert. Nach 3 Jahren müssen die Kinder häufig den Schulort wechseln.

Die ersten 3 Schuljahre dienen dem Spracherwerb (Französisch) und den elementaren Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Fachleute fordern, dass die Alphabetisierung von Kindern in einer Sprache erfolgen sollte, die sie verstehen. Lernt ein Kind aber nicht Französisch bleibt es an den Sprachraum der Bissa gebunden und kann sich nicht in Ouaga oder im Ausland Arbeit suchen.  Neben Lesen und Schreiben  gilt der Spracherwerb als Hauptvorteil der Schulbildung in Garango.
In den folgenden 3 Jahren gewinnt die Arbeit im Schulgarten zunehmend an Bedeutung. Die Kinder erlernen dabei die Gartenarbeit, den sinnvollen Einsatz von Wasser und die Bedeutung von Gemüse als Ergänzung zur Hirsenahrung. Dies ist ein Überbleibsel der Ruralisierung der Grundbildung die von der UNESCO propagiert wurde. Hat eine Schule keinen Schulgarten, entsteht hier ein Problem. Ein Problem entsteht aber auch wenn die Lehrer mit dem Garten überfordert sind. Um diesem Mangel abzuhelfen wurde 1993 die Association des Ecoles de Production (AEP) gegründet. Für dieses Projekt wurden mit Ladenburger Unterstützung 27 Brunnen gegraben, 26 Schulgärten mit 23 Obstbaumpflanzungen angelegt.

Der Lehrplan ist landesweit streng vorgegeben, einschließlich der Zeitpläne. Ähnlich wie in der früheren DDR werden zur gleichen Zeit landesweit die gleichen Inhalte unterrichtet. 

Die Klassenstärke liegt im Mittel bei 60 Schülern/ Klasse in Garango Stadt und bei etwa 80 Schülern/ Klasse auf dem Lande.

Probleme:
Die Wiederholer- und Abbrecherquoten sind in der Partnerregion, wie überall im Land, sehr hoch. Im Mittel benötigen die Schüler etwa acht Jahre zum Schulabschluss.
Für Bauern die auf dem Lande als Selbstversorger leben und viele Kinder haben, ist Bargeld ein knappes Gut.  Neben dem Schulgeld sind auch die Lernmittel zu bezahlen: Hefte, Stifte, Schulbücher.. ( Ein Schulheft kostet 200 F CFA).
Nicht bezahltes Schulgeld hat keine rechtlichen Folgen, da nach dem Gesetz der Schulbesuch frei ist. Mit dem Geld wird der Unterhalt der Schule bezahlt, daher geraten die Eltern unter starken sozialen Druck. Das Schulgeld nicht zu bezahlen gilt als unehrenhaft.  Meist werden die Kinder bei Geldmangel von der Schule genommen.
Der mittlere Schulweg der Kinder beträgt 4,7 km (Quelle Monographie Garango 2002) das bedeutet, dass die Schüler über Mittag nicht nach Hause können und in der Schule versorgt werden müssen. Nicht alle Schulen sind dazu in der Lage. Ungeschützte lange Schulwege stellen insbesondere  für  Mädchen eine Gefahr dar.  Ein dichteres Schulnetz erhöht tatsächlich die Mädchenquote. Für Ladenburg-Schulen liegt sie bei etwa 48%.
Aber auch kulturelle Gründe führen zu Gegenstimmen zum Schulbauprogramm. Schulbildung stellt die patriarchalische Ordnung in Frage und führt zu Konflikten zwischen den Generationen: Kind kann lesen, schreiben, rechnen und französisch, der Vater kann all das nicht, überliefertes Wissen über die Welt und ihre Zusammenhänge hat keine Bedeutung mehr.
Trotz der Probleme hat der Wunsch nach einer eigenen Schule eine hohe Priorität bei den meisten Bewohnern der Partnerregion.